Der Unterschied ist, dass beim True Peak interpoliert wird (also auch Spitzen “zwischen” den Samples betrachtet werden), während der normale Peak einfach dumm die Samplewerte betrachtet.
[quote=“Uli Nobbe, post:18, topic:10959”]Nicht nur, nein.
Die Ursprünge des Loudness War gehen Hand in Hand mit dem zunehmenden Einzug der Audio-CD in die Musikproduktion. Es waren nicht die Toningenieure, sondern die Marketing-Fuzzis der Plattenfirmen, die fragten: “Wieso können wir die höhere Dynamikreserve der CD nicht noch stärker ausnutzen?”. Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt.[/quote]
…wobei das nichts mit dem Erhöhen der Dynamik zu tun hat. Das einfache Verstärken des gesamten Titels bis der maximale Pegel auf 0dFS landet bringt nur mehr Lautstärke (nicht zwangsweise Lautheit!) Die Dynamik steigt so nur, wenn man das Grundrauschen als Referenz für den leisesten Wert hernimmt.
Die Dynamik einer fertigen Produktion lässt sich, wenn überhaupt, nur mit einem Expander vergrößern (und das will doch wirklich niemand)
Der Extremeinsatz von Kompressoren erhöht die Lautheit, vermindert aber gleichzeitig die Dynamik!
Das Schlimme ist diese extreme Kompression, die leider auch gut arrangierte Musik zum Teil grausam klingen lässt…
Ein schönes Beispiel ist “Brothers in Arms” von Dire Straits. Vergleicht man die Original Mischung aus den 80ern mit späteren Remastered-Versionen, fällt auf, dass teilweise Instrumente verschwinden, da der hochgezogene Hintergrund Bereiche überdeckt (Intro zu Money for nothing).
Eine grafische Vorstellung von Lautheit hast Du übrigens (ganz grob) wenn Du die Fläche unter dem Plot der Wellenform betrachtest:
“Brikett” mit wenigen Bereichen geringerer Pegel - große Fläche : laut
Wellenform, mit Pegelspitzen (z.B: Kick und Snare sind als stark herausstehende Peaks zu erkennen, der Rest liegt weiter unten) - kleine Fläche : leiser
…und beides kann den gleichen Maximalwert (Peak) haben.
[quote=“Uli Nobbe, post:18, topic:10959”]Frage: Lässt sich der von Dir vorgeschlagene Weg als Workaround per Script lösen?
Sorry, keine Ahnung, bin kein Scripter.[/quote]
Da kann ich mich leider nur anschließen, soweit bin ich nicht vorgedrungen
Ehe ich’s vergesse: Danke für das Lob ![]()
Gleich vorab: Wir sind uns ja vollkommen einig. Allein, die Gemeinde, die es betrifft, lauscht unserer Predigt nicht und die Kirche des Wohlklangs bleibt - wie so oft - leer.
Ich fänd’s ja geil, wenn mAirList hier die Möglichkeit liefert: Zack, Haken setzen und mit -23 ±1 LUFS bei ≤ 1 dbTP streamen. Dann rafft’s vielleicht auch der letzte Depp - und wenn dann noch ein oder zwei vermeintlich “große” Radios als Pioniere (na ja) voranschreiten, denen dann so viele nacheifern möchten… vielleicht bewegt sich dann ja mal was.
Richtig, aber wen interessiert das?
Genau, fast niemanden, und am allerwenigsten den Hörer. Ich krieg’s ja so hin und wieder bei Disco-Veranstaltungen mit, wenn der Gast zum DJ “lauter!” brüllt. :![]()
Es waren, wie Disco-Besucher heute, die Marketing-Fuzzis, die damals in die Tonstudios kamen und sagten “Na, dieser komische leere Bereich zwischen den einzelnen Spitzen, den können wir doch auch noch mit Musik füllen” und einen bitterlich weinenden Techniker zurückließen.
Stop! Du schreibst aus der Profi-Perspektive, wenn ich das richtig mitbekommen habe.
In den Hobby-Heimstudios aber werkeln höchst merkwürdig anmutende Geräte in den Sideracks (oder die Software vermurkst was), und da wird dann alles zum Blinken gebracht was nur blinken kann. Expander? Na klar, ich hab’ dafür bezahlt! Gate? Aber immer, mein Kumpel hat gesagt, da verschwindet das Rauschen!
(Hier bitte den wall-Smiley einsetzen)
Ich will jetzt gar nicht über eine bestimmte Marke lästern, die zu so einem Unfug verführt. Auch amtliche Geräte können das, nur sollte man sich dann schon etwas auskennen. Schließlich kann ich auch einen dbx zum Expander umfunktionieren - sofern ich n:1 von 1:n unterscheiden kann und weiß, was nun eigentlich was ist.
Spätestens hier scheitert es aber bei den meisten, und dann darf man sich nicht wundern, dass bei vielen irgendwas im DSP werkelt, sie aber nicht wissen, warum - und was es macht bzw. bringt.
Auch das interessiert kaum.
Derzeit fahre ich eine Auswertung der Automation-Streams verschiedener Webradios (klein und groß, bekannt und unbekannt), um mal vergleichbare Lautheitswerte zu ermitteln. Das Ergebnis ist erschreckend. Was da vor die Wand gefahren wird, ist schon nicht mehr feierlich.
Ich bin kurz davor, “Deutschlands erstes leises Internetradio” zu eröffnen und mir den Namen zu sichern. Es mangelt nur noch an einem Sponsor.
Richtig.
Andererseits erinnere ich an bewusst so arrangierte (neue) Alben und Titel. Angefangen hat es, glaube ich, seit der Jahrtausendwende im Black-Bereich. So richtig aufgefallen im Genre “Pop” ist es mir mit Madonnas Album “Confessions On A Dance Floor” (2005), wobei die Auskopplung “Hung Up” die übertrieben harte Kompression als bewusstes Stilmittel im Vergleich zu den anderen Titeln auf dem Album gar nicht mal so stark nutzt.
Mein Lieblings-Beispiel hierbei sind Depeche Mode-CDs, die Ende der 1980er Jahre gemastered wurden. Ihr Dynamic Range lässt heutige DM-CDs und Compilations extrem alt aussehen; ähnliches gilt für die Sampler der B****-Hits-Reihe.
Merke: Es liegt nicht am Genre, sondern ob man dem TonI freie Hand lässt oder nicht.
Nach diesem [OT]-Ausflug versuche ich mich mal wieder am mAirList-Bezug:
Schon heute, auch ohne EBU R128, kann man mit mAirList ein sauberes, gleich lautes Programm fahren, das nicht an der äußersten Grenze des ITU BS.1770-Pegels klebt. Mit ReplayGain und ohne externes DSP (Player > Encoder) komme ich aktuell bei ≈18 LUFS integrated mit ≈4 dbTP raus. Die Möglichkeiten sind also gegeben.
Bis zur Realisierung hinsichtlich -23 ±1 LUFS ist es da nur noch ein kleiner Schritt. Da Torben allerdings vor hat, das auf einem anderen Weg umzusetzen, dürfen wir uns auf eine andere Realisierung als bisher freuen.
Ich bin gespannt! 8)
Manchmal gibt es einen ganz simplen workaround - man muss nur drauf kommen.
[quote=“TheRaven, post:22, topic:10959”][quote=“Uli Nobbe, post:18, topic:10959”]Frage: Lässt sich der von Dir vorgeschlagene Weg als Workaround per Script lösen?
Sorry, keine Ahnung, bin kein Scripter.[/quote]
Da kann ich mich leider nur anschließen, soweit bin ich nicht vorgedrungen[/quote]
Meine Dateien sind ja alle gegaint. Soll heißen: Lautheitssprünge gibt es bei mir sowieso nicht. Allerdings kommen bei mir -17,9 LUFS dabei raus (Screenshot 1). Kann man ja schnell mal mit einer durchschnittlichen Playliste im Mixdown ausmessen (Orban Loudness Meter 2.9.6).
Zum Zielwert von -23 LUFS wäre der - durchschnittliche - Korrekturwert also -5,1 (in dem Fall dB).
Genau das habe ich gemacht: Soundprocessing “Verstärkung” im Encoder, dort -5,1 eingetragen, aktiviert (Screenshot 2): Et voilà!
Punktlandung bei -23 LUFS (Screenshot 3). Kein Verlust der Dynamik, wie man am LRA erkennen kann (unverändert bei 5,5).
Damit hat sich dann auch mein Peak-Problem mit dem Advanced Compressor aus einem anderen Thread erledigt: Wenn der Pegel nicht so hoch ist, muss ich auch keine dynamischen Spitzen im Zaum halten.
Ich habe es auch mal mit einem eingesprochenen Beitrag probiert, der ziemlich viele und hohe Peaks hatte: Gegaint wie Musik und mit gleicher negativer Verstärkung abgespielt - alles ohne Probleme.
Klar, das ist jetzt nicht die Super-Lösung, aber wenn man erst mal seinen durchschnittlichen Pegel nach ITU BS.1770 (integrated) kennt, kann man so recht simpel seinen Zielwert für die Automation setzen. Im Live-Betrieb muss es sich noch bewähren.
Ja, billig, ich weiß.
Who cares?



Moin,
ich möchte das Thema noch mal aufwärmen, allerdings mit Fokus auf das Peakmeter (im Encoder wie auch im Player).
Meine Fragen richten sich an Torben. Anlass war dieser Informationsaustausch zu Beginn des Threads:
[quote=“Torben, post:2, topic:10959”]quote=“Lord_Femto, post:1, topic:10959”
3.) Die Pegelanzeige beim Encoder. Ist die Range 0 dBFS? Ab welchem dB-Wert wird die gelbe Pegelanzeige abgebildet? -9dBFS[/quote]
- Oben 0, gelb -6, unten -40 dBFS.
(…)
Ergänzung zu 3): Man kann die Werte in der mAirList.ini bei Bedarf anpassen, zum Beispiel so, dass der Headroom der ARD-/DIN-Norm von -9 dBFS entspricht:
[Peakmeter]
Overload=0
Headroom=-9
BottomEnd=-40
Das würde aber nur dann wirklich Sinn machen, wenn man auch das ganze Material nach ARD-Norm aussteuern würde (und ich rede hier nicht von R128), also die Files auf -9 dBFS normalisieren würde. Ich kenne aber keinen kleinen (nicht-kommerziellen oder Internet-)Sender, der das tut. Die meisten normalisieren einfach volle Kanne auf 0 dBFS, also so laut wie es geht.[/quote]
[ul][li]Es handelt sich ja eindeutig um ein Peakmeter. So weit, so schön.
Woher stammen denn die von Dir in die [font=courier]mairlist.ini[/font] geschriebenen Werte? 0 ist klar, aber -6 und -40?
Ich wusste gar nicht, dass es beim Peakmeter einen definierten Headroom gibt.[sup]*[/sup][/li]
[li]Die Peakmeter in den Playern und im Encoder laufen identisch?[/li]
[li]Gibt es für das Peakmeter auch einen Abschnitt in der [font=courier]skin.ini[/font]? Die Suche warf dazu nichts aus.[/li][/ul]
[sup]*[/sup] Na gut, beim Peakmeter wüsste ich vielleicht einen: Der Bereich zwischen -1 dBFS und Null als Obergrenze. Schließlich soll(t)en die -1 dBFS ja nicht überschritten werden. Das wäre vielleicht mein Ansatz, in diesen Sektor der [font=courier]mairlist.ini[/font] mal einzugreifen.
Besten Dank für die Erleuchtung (hoffentlich).
Lieber @Torben,
kann man denn auch die ballistischen Werte (Integrationszeit, Rücklaufdämpfung) anpassen? Wenn nein, wäre das für mich ein wichtiges Wunsch-Feature. (Oder ein Feature-Wunsch.)
Kalibrierte Grüße
TSD
Nein, mAirList schickt sich nicht an, eine vollständig normgerechte Aussteuerungsanzeige zu sein. Da sind so viele Details zu beachten, dass kann ich gar nicht leisten.
entstaub
Nachtrag, weil ich gerade Zeit habe.
Torben hatte - vollkommen zu recht - folgende Frage zu Mp3gain bzw. Replay Gain gestellt:
Kleiner Tipp an Radiobetreiber: Wenn euer “Techniker” das nicht sinnhaft beantworten kann, sollte er keine Lautheitsvorgaben in “dB” machen. Dann ist er nämlich aus der Zeit gefallen.
Alsooo…
David Robinson veröffentlichte 2001 (!) ein proposal for equal loudness.
Über den Algorithmus müssen wir hier nicht diskutieren, wohl aber über die empfohlenen Werte, wie von Torben bereits hinterfragt.
So schreibt David Robinson an anderer Stelle:
The reference gain is 83dB SPL, as defined in the SMPTE RP 200 standard.
(Zur SMPTE einfach mal Wikipedia befragen)
Das beantwortet zwei Fragen auf einmal:
-
Der Wert ist nicht einfach so frei erfunden, sondern David hat sich bei einer Vereinigung bedient, die diesen Wert für “angenehm hörbar in einer entsprechenden Umgebung” (Kinosaal?) definiert hat.
-
Torben hatte angemerkt, dass dB stets eine Bezugsgröße brauchen, und hier wird sie erstmalig erwähnt:
SPL = Sound Pressure Level = Schalldruckpegel.
Die Krux daran ist, dass das ein Abhörpegel ist, und kein Sendepegel. Insofern sind die 83 dB SPL als Äquivalenzwert zu sehen, an dem sich die equal loudness bemessen sollte.
Kein Moderator wird wohl in der Lage sein, bei allen Hörern gleichzeitig an deren Abhörpunkt 83 dB SPL zu messen.
- Über 96 “dB” (SPL???
) möchte ich hier gar nicht erst nachdenken! -
Etwas genauer beschreibt Robinson es im Abschnitt “Finding a standard”:
Having calculated a representative RMS energy value for the audio file, we now need to reference this to a real world sound pressure level. The audio industry doesn’t have any standard for listening level, but the movie industry has worked to an 83dB standard for years.
What the standard actually states is that a single channel pink noise signal, with an RMS energy level of -20 dB relative to a full scale sinusoid should be reproduced at 83 dB SPL (measured using a C-weighted, slow averaging SPL meter). In simple terms, this means that everyone can set their volume control to the same (known, calibrated) gain.
Und weiter, zur Verdeutlichung:
ASIDE: This number (83dB SPL) wasn’t picked at random. It represents a comfortable average listening level, determined by professionals from years of listening. That reference level of -20dB pink noise isn’t random either. It causes the calibrated average level to be 20dB less than the peak level. In other words, it leaves 20dB of headroom for louder than average signals. So, if CDs were mastered this way, the average level would be around -20dB FS, leaving lots of room for the dramatic peaks which make music exciting.
So, hätten wir das schon einmal geklärt.
Aber wo kommen nun die ominösen 89 “dB” her?
Frank Bicking schreibt in AudioHQ:
Um eine Lautstärkeanpassung zu ermöglichen, wird die berechnete Lautstärke anschließend in Verhältnis zu einem Referenzlevel von 89 dB gesetzt, das dem Verfahren fest vorgegeben ist. Dort ist übrigens noch von 83 dB die Rede; in der Praxis wird meist ein Wert von 89 dB eingesetzt, der wesentlich näher an der Realität von Audio-CDs liegt.
(Hervorhebung von mir)
BITTE WAS?
-
Zunächst einmal benennt Frank Bicking keine Quelle für den vermeintlichen Referenzlevel von “89 db”. Der Wert wirkt wie eine reine Phantasie.
-
Auch wenn die Rede von einer “Realität von Audio-CDs” (als ob man die alle in eine Schublade Messbecher werfen könnte) ist, halte ich diese Aussage für ebenso gepflegten wie nicht belegbaren Unfug.
Man nehme eine ebenso zufällige Anzahl wie musikalisch unterschiedlicher CDs aus verschiedenen Dekaden, digitalisiere sie als disc-at-once und messe sie nach dBFS durch. Von mir aus auch in Mp3gain, wo die berühmten “irgendwas dB” angezeigt werden: Da erhaltet ihr alle möglichen Werte, aber keine “89 CD-Realität”.
Nicht blind vertrauen, sondern selber testen, und schon ist der Mythos im Eimer.
Aber eigentlich ging es hier ja um die EBU R 128 (veröffentlicht im September 2011) und diese vielfach unbekannten LUFS.
Das erinnert mich an einen recht heftigen Streit mit einem “Techniiker”, der steif und fest behauptete, man könne die “dB” (welche Bezugsgröße auch immer, das wusste er gar nicht, dB seien halt dB, haha) in LUFS umrechnen. Ja, sogar umrechnen müssen.
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Nein, man kann das nicht, weil hier ganz andere Berechnungsmethoden zur Anwendung kommen!
Ich habe spaßeshalber mal die oben angedeutete CD-Kiste gerippt und dann in separaten Verzeichnissen durch Mp3gain verschiedener “dB” laufen lassen, um sie dann in LUFS auszumessen.
Ergebnis: Eine ganz grobe Zuordnung mit einer gewissen Schwakungsbreite erscheint möglich.
Eine Analogie jedoch im Sinne von “ein dB mehr ist ein LU mehr” ist so nicht zu halten. Das ist statistisch nicht haltbar.
Ich denke, dass das ganz gut hier reinpasst und als Lesezeichen für alle diejenigen dient, die sich nicht länger ein X für ein U vormachen lassen möchten. Und vergesst einfach mal diese “dB” als Lautheits-Zielwert.
Wer von euch hört sein Radio daheim mit 83 dB SPL “Zimmerlautstärke”?
Eben.
Es liegt am Sender, hier ein durchschnittlich (!) gleich lautes und ebenso dynamisches Signal auszuliefern. Was der Hörer damit macht, ist seine Sache, aber nicht die des Moderators.
War doch ganz einfach, oder?
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Wo denn? Ich sehe keine. Welches ist die Referenz? (Es müßte sowas sein wie „Ohren fliegen weg“, nur reproduzierbarer.) Wikipedia weiß rat: Es sind 20 µPa, entsprechend etwa der Hörschwelle des menschlichen Gehörs bei 1 kHz.
Das Problem ist, daß der Schalldruckpegel in erster Linie von der Stellung des Lautstärkeknopfes (vulgo Volume) abhängt, das macht es schwierig, ihn für die Beschreibung von Wiedergabepegeln zu verwenden.
Man kann sehr wohl eine Relation zwischen “dB” (welcher Sorte?) und LUFS finden: Sie ist (laangweilig!) eins zu eins. Ist mein Programm um, sagen wir, 3 LU zu laut, genügt es, den Regler am Pult (vernünftigerweise in dB geeicht) um 3 dB nach unten zu ziehen, und schon stimmt die Lautheit. (Leute ohne Skala am Regler schauen halt auf den [hoffentlich ebenso vernünftigen] Aussteuerungsmesser.)
Nein: Es soll eben nicht „gleich laut“ sein, auch nicht durchschnittlich. Es soll eine Lautheit von bestimmter Größe nicht über- und auch nicht unterschreiten. (Genaueres siehe R 128.)
Na ja.
Es freut mich, dass in dem Beitrag über die Jahre doch ausgelassen diskutiert wurde.
Dennoch muss ich mich hier noch einmal einklinken und mein Verständnis und offene Fragen loswerden.
Nehmen wir mal an, dass wir alles entsprechend der EBU R128 mit der Lautheit auf -23 LUFS normalisieren. Damit sind sowohl Musik(archiv), Beiträge, Jingles/Transitions, VoiceTracks uvm. auf -23 LUFS ausgesteuert. Der Pegel (in PPM) hat dann nur eine nachranginge Wichtigkeit. Diese können dann je nach Material (moderne hochkomprimierte Popmusik, ältere dynamikreiche Popmusik oder Sprache) irgendwo zwischen -16 bis -6 dBFS liegen. Nach meinen Recherchen arbeiten so sämtliche Sendeanstalten der ARD und nach @TheRaven das komplette TV-Programm in Deutschland oder Europa? Das heißt, sowohl in der Produktion, Nachrichten, Werbung, Sendestudio usw. alles schön auf -23 LUFS.
Nun zu meinen Fragen:
1.) In der Theorie bedarf es dann doch keinen Limiter (auch wenn man hier auf Nummer sicher gehen sollte) am Ende der Kette mehr, oder?
2.) Dennoch wird im Rundfunk am Ende stets ein Optimod eingesetzt. Zum einen wegen der Klangfarbe des Senders, zum anderen aber auch zur Aufbereitung des UKW und/oder DAB+ Signals zu realisieren. In meiner Erinnerung benötigt der Optimod zum Arbeiten einen gewissen Eingangspegel. Das heißt, ich muss das Signal mittels Gain anheben. Wird nach der Bearbeitung das Signal wieder abgesenkt, um wieder bei -23 LUFS zu sein? Hierzu steht auf der Seite von Orban zum Optimod 5950 HD
provides ITU-R BS.1770-4 Loudness Control which facilitates compliance with modern target loudness recommendations like EBU R128 for each processed FM and HD output source if needed.
Ist das nicht ein idealer Nährboden zur Rauschverstärkung von analogen Quellen?
Zumal wie @UliNobbe schon irgendwo schrieb, dass Radiosender sogar mit -18 bis -15 LUFS ausstrahlen. Das soll u. a. auch was mit den lauten Fahrgeräuschen im Auto zusammenhängen.
3.) Ein IP Codec aus einer Live-Übertragung oder anderem Studio sollte am besten schon auf -23 LUFS-Niveau sein oder muss ggf. noch entsprechend auf -23 LUFS angehoben oder abgesenkt werden, richtig?
4.) Nehmen wir mal ein DHD Mischpult an. Dort gehen die ganzen digitalen Signale mit -23 LUFS ein. Die Stimme der Moderatoren muss nun ebenfalls auf -23 LUFS gebracht werden. Ich weiß, dass das DHD kann, aber arbeiten die internen Kompressoren und Expander dann nicht in einem verdammt schmalen dBFS Bereich?
5.) Wir hatten schon zusammengefasst, dass die Wellenform in mAirlist bei -23 LUFS Lautheit sehr schmal ist. Eine Funktion wie Visual Gain oder BitShifting gibt es nach meiner Recherche nicht. Wäre es nicht gut, wenn man die Wellenform optisch anhebenkönnte oder mittels Skin.ini den Ausgangswert (dunkelgrün schattiert) farblich zu beeinflussen, ohne den eigentlichen Pegel zu beeinflussen? Ich ziele hier besonders auf das Setzen von Cue-Punkten ab. Das tue ich primär mittels Gehör, im Finetuning aber anhand der Wellenform. Wenn diese so flach ist, tue ich mich schwer Ausschläge zu identifizieren, erst recht bei dichtem Material.
6.) Ich verstehe die in der Konfiguration unter GUI → Allgemeinen Funktionen Wellenform-Standard-Pegel sowie Wellenform-Stille-Pegel nicht. Hierzu steht im Changelog:
[+] Waveform: The default level (for items which cannot be analyzed) and
the displayed level for Silence items can be set in config -> GUI -> General
Wozu dienen diese Funktionen? Vielleicht könnt ihr mir ein Anwendungsbeispiel nennen oder im Forum verlinken, wenn es nicht niederländisch ist ![]()
Moin! ![]()
Theoretisch stimmt deine Aussage; in der Praxis leider nicht.
Bei jeder Moderation über der Musik (Ramptalk, Outro, ggf. Musikbett) besteht die Gefahr, die -1 dB TP zu reißen.
Selbst wenn du den Mikrofonkanal separat komprimierst, kannst du damit nicht verhindern, dass es in der Summe zu unerwünschten Peaks kommt.
Aus diesem Grund werkelt bei mir in der Summe ein “Notbremslimiter™”, der nichts anderes macht, als bei -1 dB TP dicht zu machen, ohne den Klang zu beeinflussen (was sicher noch ein anderer Streitpunkt wäre).
Auch wenn ich ein zentralisiertes DSP eigentlich nicht mag, so haben wir das bei unserem Radio auf dem Server installiert, da die Gefahr zu groß ist, dass spielende Moderatoren das Teil bei sich verstellen könnten.
Zu 2. kann ich mich so gut wie gar nicht äußern, da müssen Spezialisten 'ran.
Ich kann dir jedoch das Supplement 3 to R 128 empfehlen (“Loudness in radio”), das dir vielleicht ein weiteres Verständnis der Materie eröffnet.
Stop - nichts verwuchseln!
Meine Messwerte entstammen den Webstreams der Wellen der Rundfunkanbieter. Dabei ist nicht sichergestellt, dass hier das für den Funkmast aufbereitete Signal einfach ins Netz gestellt wird oder nach einem Split ein ganz anderes processing durchläuft.
UKW- oder DAB-Signale habe ich bislang noch nicht durchgemessen.
Ja. ![]()
Wenn du weißt, mit welchem durchschnittlichen Pegel (gleich kommt Tondose mit der Bratpfanne zu mir) ein Live-Feed zuverlässig 'reinkommt, kannst du das Audio-Element ja mit der entsprechenden Verstärkung im Reiter “Wiedergabe” versehen.
Natürlich wünscht man sich angeglichene Pegel, aber nicht alle spielen das gleiche Spiel…
Bei DHD bin ich 'raus, aber ich habe privat die Erfahrung gemacht, dass aufgrund der Dynamik im Sprachsignal (sofern nicht vorab komprimiert) eine Reduzierung von -2 dB gegenüber dem Zielpegel hilfreich sein kann.
Je nach Format kann das zu einer Absenkung der Lautheit der gesamten Sendung im Nachkommastellenbereich führen, aber R 128 erlaubt bei Livesendungen ja eine Toleranz von ±1 dB.
Zu letzterem Punkt: Bei dichtem Material ist es nicht minder schwer, Cue-Pumkte für den Einsatz zu finden.
Zur optischen Anhebung: Du kannst den Bereich der Wellenform im Cue-Editor vergrößern, indem du an einer Stelle im Trennbalken das Feld nach unten ziehen kannst.
Deine Frage zu 6.) kann ich nur insoweit beantworten, vielmehr: orakeln, dass es Elemente ohne errechenbare Loudness gibt.
Ich meine, dass Tondose Torben mal darauf aufmerksam gemacht hat, dass gewisse (fehlerhafte?) Objekte einen Rechenfehler verursachen, der entweder -inf ausgibt oder einen nahezu unendlich großen Negativwert, der die Verstärkung dann ins Schleudern bringt. Versteckt sich irgendwo im Forum.
Da ich aus der Webcast-/Streamingwelt komme, trifft auf mich besser das Supplement 2 to R 128 (Loudness in streaming) zu.
In einem ersten Entwurf war noch von -18 LUFS die Rede; aktuell geht es um einen Bereich von -20 bis zu -16 LUFS.
Meine private Erfahrung besagt, dass -18 LUFS ein guter Kompromiss für Programme mit gemischtem Musikmaterial ist, auch wenn es Ausnahmen geben mag (wirf’ mal ein frisch von der CD geripptes “Don’t Worry, Be Happy” von Bobby McFerrin in die Analyse und wundere dich).
Fährst du hingegen ausschließlich “dichtes” Material, sind sicher auch -16 LUFS problemlos möglich.
Das Archiv wird voll ausgesteuert (bzw. so übernommen, wie es von der Industrie bereitgestellt wird). Loudness ist was für die Produktion und Sendung.
Der Pegel kann zwischen etwa –50 und –1 dBfs liegen. Letztlich ist das abhängig vom Progamm. (Also dem Programminhalt.)
In der Theorie. In der Praxis kann immer mal was durchgehen. Ich würde den Begrenzer drinnelassen.
Zum Thema Processing demnächst mehr.
Warum? Erst wird (digital) abgesenkt und dann (ebenso digital) wieder angehoben. Das Rauschen bleibt wie es ist. Und: welche analogen Quellen eigentlich? (Wahrscheinlich verstehe ich Deine Argumentation nicht.)
Ja. Es geht dem Codec wie allen anderen Zuspielern (es soll ein tatsächlich Leute geben, die Schallplatten fahren). Oder der Moderation. Hier hilft letztlich nur der Blick auf den Aussteuerungsmesser, der dann natürlich auch in Lautheit geeicht sein muß.* Aber das ist ja verpönt heutzutage; insbesondere, da man bisher gewöhnt war, alles in den Optimod (oder das Stereotool) reinzuballern – Regler (pardon: Fader) werden nicht mehr angefaßt. (Ich habe bei einer sehr prominenten Popwelle den Pegelmesser hinter dem Monitor, vom Moderator wegzeigend, stehend entdeckt. Frühere Pultbauer wußten genau, warum sie die Dinger fest in der Overbridge fixierten.} Ich schweife ab.
* Wird das Programm über den Codec in eine Automation übernommen, muß es natürlich schon korrekt normalisiert angeliefert werden.
Keine Ahnung, sowas benütze ich nicht. Jedoch erstens: Es geht anderen Digitalpulten genauso. Zweitens: Du kannst das (kanalzuginterne) Soundprocessing bei Digitalpulten ja in beliebiger Reihenfolge staffeln. Komprimiere (bei Bedarf) also vor der Normalisierung, das ist ohnehin sinnvoller.
Wer tut denn das? Dann müßte derjenige ja auf seine geliebte Moderation verzichten. (Wobei das wiederum im allgemeinen sicherlich ein Beitrag zur Qualitätssteigerung wäre. Aber das ist ein anderes Thema.)
Danke für eure Beiträge.
Sehr informativ. Danke für diese Lektüre.
Ja, auf dem Server/NAS liegen die Dateien unverändert. Und dennoch wird es doch von mAirlist auf -23 LUFS normalisiert und geht dann normalisiert in den Kanalzug des Mischpults. So meinte ich das.
Ich bin sehr gespannt.
Richtig, da hatte ich mich etwas undeutlich ausgedrückt. Mit analogen Quellen meinte ich z.B. Mikrofonsignale, die im Mischpult auf -23 LUFS ausgesteuert sind. Danach geht das aus dem Mischpult gehende Summensignal in den Soundprozessor. Wenn der Soundprocessor nun digital anhebt, bearbeitet und digital wieder auf -23 LUFS absenkt, haben wir kein Problem. Was ist aber bei einer -23 LUFS Sendungs- oder Produktionsumgebung aber für die unterschiedlichen Ausspielwege bspw. -18 oder -15 LUFS notwendig sind.
Jetzt bräuchte man mal so ein Teil zum Testen. Meine Denke war bisher, dass im Kanal die 1. Stufe stets der Gain kommt, um das Mikrofon auf einen Pegel/Arbeitslevel zu bringen, danach evtl. das Soundprocessing für den Kanal. Der resultierende Pegel liegt dann bei Nullstellung des Faders an.
Wenn ich dich nun richtig verstehe, wird analog zum o.g. Proceder am Ende des Soundprozessings das Mikrofonsignal auf -23 LUFS normalisiert, sodass bei Nullstellung -23 LUFS Lautheit anliegen?
Es steht Dir natürlich frei, auf –18 LUFS zu normalisieren und für den leiseren Ausspielweg lediglich weiter abzusenken.
Ich dachte, die könnten das. Falls nicht, Lawo kaufen. (Ich weiß, daß es bei der mc-Serie geht.)
Ähm, nein. Die Erkenntnisse würden ernüchtern.