Zuerst ein herzliches “Hallo” in die Runde. Meine Name ist Det (ja, genau der mit der Brille).
Ich war bis zu meiner Frühpensionierung 28 Jahre lang bei WDR (5 Jahre) und den Rest bei Deutschlandradio/DLF. Das mit dem Pegel und der Lautheit ist fast so alt, wie der Rundfunk selbst. Vor 2 Wochen hatte ich noch ein Papier von 1965 in der Hand, als im Rundfunk noch Lichtzeiger-Instrumente eingesetzt wurden, diese hatten tatsächlich eine Millisekunden-schnelle Spiegel-Ableckung eines Lichtstrahls. Als dann die ersten Bargraph-Aussteuerungsmesser aufkamen, wurde in der DIN 45406 festgelegt: Skala von +5 bis - 50 dB, Ansprechzeit für 99% Vollausschlag 0 dB: 10 ms. Die Skala ist logarithmisch, um dem Lautheitsempfinden gerecht zu werden (0 bis -10 dB=40 mm, -10 bis -20: 27 mm, -20 bis -30: 19 mm usw.). Dieses nur angeführt zum Vergleich mit dem LuFS-Meter, das eine absolut lineare in 1 dB-Schritten hat, was leider den hörphysikalischen Eigenschaften nicht gerecht wird. Das Studio-Peakmeter ist ein “Quasi”-Spitzenspannungsmesser, es misst größere Spitzen, als das mit 300 ms Ansprechzeit träge VU-Meter, aber halt keinen absoluten “Peak”. Mit dem Sprung in die digitale Technik wurde an einigen Ecken versucht, das Rad neu zu erfinden. Das Problem: In der reinen Digitalen Aufnahme-Technik arbeitet man nach Digitalisieren von Instrumenten und Gesang mit zwar winzig kleinen, aber Rechteck-Signalen (durch das Sampling), deren absolute Spitzen nicht “abfederbar” sind, so wie die analogen Sinuskurven. Lauter als laut geht nicht, deshalb gab man der Digital-Aussteuerung einen Head-Room von 6 dB. Durch die weitere Entwicklung der Technik konnte man schließlich für Digital-Aussteuerung eine Ansprechzeit von 1 ms erreichen! Dadurch kann man sogenannte Transienten, die ultra-kurzen High-Peaks erfassen, die sonst zu einer Übersteuerung führen und damit, im Gegensatz zu analog, einen “Total-Damage” der Produktion bewirken. Mittlerweile ist man bei einer Ansprechzeit von 0,1 ms angelangt; der Head-Room wurde um 6 erweitert und beträgt schon seit einiger Zeit 12 dB, denn bei FS 0 ist fini, da gibt es keinen Übersteuerungsbereich. Das ganze bedeutet nun: LuFS-Meter hat seinen Soll-Endpegel bei minus 12 dB, der Quasi-Spitzenspannungmeter mit 10ms Attack zeigt dann 0 dB an. Schon 1965 wurde von der Studienkommission X (10) für die Ermittlung der subjektiven Programmlautstärke empfohlen, wie folgt auszusteuern: Sprache min 6 bis 0 dB, Musik minus 6 bis -10 dB, Werbespots (bereits über Kompressor hergestellt) so steht es da wörtlich, und Einleitungsfanfaren (Tagesschau) minus 10 dB. Das ist bis heute so geblieben, beim WDR war die Vorgabe für gemischte Sendungen (z. B. Morgen- und Mittagsmagazin Sprache 0 dB, Musikbeiträge -6 bis -3 dB.
Zurück zum R128-Gerät. Die festgelegte max.-Lautheit von - 23 dBFs mag auf den ersten Blick sehr niedrig erscheinen, das ist aber nicht so, denn die Spanne von minus 23 bis Vollaussteuerung minus12 dB dB (der Head-Room muss für digitale Produktionen auf jeden Fall erhalten bleiben!) und das sind minus 11 dB! Und genau das würde dann genau am 10 ms Peakmeter angezeigt. So schließt sich der Kreis zu den damaligen Richtlinien mit minus 10 dB bei vorkomprimiertem Material.
Ich würde für reine Broadcast-Produktionen mit bereits gemastertem Material und Sprache von dem R128-Meter absehen, denn das hat mindestens 1 ms Sekunde oder noch weniger Ansprechzeit und ist dadurch weniger brauchbar als das “Quasi”-Peakmeter. Die Diskussion ist eröffnet